​Wir trauern um unser Gründungs- und Ehrenmitglied Dr. Idamarie Eichert

Idamarie Eichert ist am 24.10.2014 verstorben.

Liebe Idamarie,

„Es ist schwer einen geliebten Menschen, eine wertvolle Kollegin zu verlieren, aber es tut gut, zu wissen, wie viele Menschen sie geschätzt haben“. Als ich Dich im Jahre 1982 kennengelernt habe, konnte ich noch nicht ahnen, dass Dich mit mir eine kollegiale Freundschaft über 32 Jahre verbinden würde! Idamarie Eichert, die Erfahrene, die Gelassene, die Hautärztin und Psychotherapeutin war die Energie hinter dem Arbeitskreis Psychosomatische Dermatologie, dessen Gründung sie 1983 mit vollzogen hat und sie war es, die die wichtigen Forscher auf diesem Gebiet – Prof. Ilse Rechenberger und Prof. Dr. Dr. Klaus Bosse – mit uns zusammenbrachte. „Ich rede dann mal mit denen“ hat sie trocken gesagt und daraus wurde eine bis heute sich weiterentwickelnde Erfolgsgeschichte. Ja, es tut weh, diese warmherzige und so umsichtige und kluge Frau zu verlieren, die immer auch eine Beraterin war wie es meine Kollegin Veronika Seipp formulierte, und wir sind alle dankbar, dass sie Vorbild war in ihrem aktiven Wirken, ihrem Zuhören können und im richtigen Moment die richtigen Fragen zu stellen. Ihr Einsatz für die Verfolgten Sinti des Nazi-Regimes, die immer wieder erfolgenden Hinweise auf die schreckliche Zeit und die vielen Braunen, die auch ihr das Leben schwer gemacht haben, waren wichtig und insofern war sie auch immer eine historische Person. Sie erzählte von Ihrer Facharztprüfung als ich geboren wurde, über die Zeit der Syphilis-Behandlungen, wo sie bei den Amerikanern um Penicillin auch für deutsche Prostituierte nach dem Krieg betteln musste. Sie setzte sich für Menschen mit Sklerodermie ein, jene Krankheit, die die betroffenen Menschen in ihrer eigenen Haut und oft auch in ihrer Psyche einmauert. Wir haben hier im Raum Koblenz und im Nahe-Tal viele dieser Menschen, die sie kannte, gemeinsam besucht, sie nach ihren Geschichten und ihrem sehr eingeschränkten Leben befragt. Idamarie hörte zu – und damit stimulierte sie so vieles, was vorher nicht zum Bewusstsein kam, aber reif dafür war. Sie hat schnell die Herzen der Menschen erobert, auch in unserem Arbeitskreis haben die Jüngeren, die sie nur ein paar Male gesehen haben, dies geäußert. Ebenso ging es den vielen Psychologen und Psychotherapeuten der Uniklinik in Giessen, die sie so lange jeden Donnerstag mit Ihrem BMW besuchte und immer zufrieden und geduldig wirkte, auch wenn die Hektik der Universität auf sie einprasselte. Sie hat in der Hinnahme der Krankheit ihres Mannes und den Verlust seines Lebens so viel durchlitten, dass sie sich wieder dem Leben zuwenden konnte!

Der Vorsitzende des Arbeitskreises Psychodermatologie – Prof. Dr. Wolfgang Harth – hat klare Worte an sie gerichtet: „Der APD, wir und ich haben menschlich Frau Eichert viel zu verdanken. Wir werden die erweiterte Sichtweise und ihren Erfahrungsschatz vermissen. Die Sichtweise von außen, auf die Objekte, hat oft eine bessere Einordnung und Selbstüberprüfung auf das Wesentliche ermöglicht. Das Flimmern der schnelllebigen Zeit, ständig neuer Moden hat sie trocken kommentiert und analysiert. Ich bin dankbar für die gemeinsame Zeit“. Auch Prof. Dr. Klaus-Michael Taube hat mir geschrieben: „Der Tod von Idamarie Eichert ist ein schwerer Verlust für den APD und uns alle. Ich habe viel von ihr gelernt und bin dankbar für die herzlichen und bereichernden Begegnungen. Sie hat mit ihrer zurückhaltenden und kenntnisreichen Art unseren Arbeitskreis entscheidend mitgeprägt“. „Das schönste Denkmal, das ein Mensch bekommen kann, steht in den Herzen der Mitmenschen“ hat Albert Schweitzer ausgedrückt und so ist es mit Dr. Idamarie Eichert. Sie wird in uns weiterleben, wir werden ihre Gedanken, ihre Energie und ihren Optimismus weitertragen im Sinne ihrer Sache, die Psyche der Haut zu ergründen.

Nun ist er da, der Tag, an den man in Anbetracht ihres hohen Alters immer mal gedacht hat, aber es wiederum auch nicht wahrhaben wollte. Sie war in ihrer Aktivität bis ins hohe Alter Vorbild für uns alle, so wie sie wollten viele leben, arbeiten und zufrieden mit sich sein. Idamarie hat uns so viel gegeben, dass sie in unseren Herzen weiter leben wird und uns stimulieren wird in Ihrem Sinne weiterzumachen: „Was man tief in seinem Herzen besitzt, das kann man nicht durch den Tod verlieren“ (JW Goethe).

Trauerrede von Univ.-Prof. Dr. med. Uwe Gieler